Auf ihrem Debütalbum Sonne, Mond & Dynamit begleiten wir die Brüder Sebastian und Benno Hiti sowie Christian Schöttel alias Kobrakasino durch Exzesse, Selbstzweifel und Herzschmerz, etwa den Kater einer durchzechten Nacht (11 Uhr Früh), den Wunsch nach mehr Weniger (Nie Rebell) oder die vorübergehende Resignation (Sonne, Mond & Dynamit). Dabei gibt es aber immer eine doppelbödige Versicherung: Humor und Selbstironie durchziehen das ganze Album und verhindern das Abrutschen in Pathos. Denn Kobrakasino tragen schon mal dick auf, textlich wie musikalisch. Verspielt etwa könnte man es nennen, aber das würde der darunterliegenden, oft etwas versteckten Abgeklärtheit und Melancholie nicht ganz gerecht, die einige Songs auszeichnet. In Alleine etwa, einem Song gemeinsam mit Resi Reiner, wissen sie ganz genau, dass die Zweisamkeit, die sie sich vorstellen, gar nicht möglich ist. Trotzdem versuchen sie es und bleiben auf der Suche nach dem Ort, wo es Freiheit für uns gibt, Sonne, Mond & Dynamit. Indie-Pop ist ein Hilfsbegriff für das, was die 3 Jungs von Kobrakasino mit diesem Album abliefern. Es hat oft eine theatralische Qualität, mit psychedelischen Schüben, ausufernd-wabernden Synthesizern und einem Gesang, der manchmal angenehm ins Exzentrische abgleitet.
MOOP MAMA kreieren eine neue Identität, die sich aus den Egos, Talenten, Launen und Ansichten von zehn komplett verschiedenen Musikern zusammensetzt. Und wenn einer rappt, zwei die Drums bearbeiten und sieben Typen alles aus ihren Lungen rausholen, ist es schon ein Statement, das Ganze als ICH zu verkaufen. Die Maschine MOOP MAMA – von außen eine Einheit, von innen viel Reibung. Aber Reibung erzeugt Wärme und ICH ist die heißeste Platte, die die Band je auf den Markt geworfen hat.
Die Stadt und der öffentliche Raum. Seine Bewohnerinnen und Bewohner und deren Leben – das waren schon immer zentrale Themen in den Songs von MOOP MAMA. Auf ICH erzählen MOOP MAMA Geschichten, die jedem von uns etwas sagen. Von individuellen Empfindungen und subjektivem Erleben, das trotzdem exemplarisch für das große Ganze unserer heutigen Zeit und Gesellschaft steht. Ein Album, 15 Songs und fast genauso viele Ich-Erzähler*innen. Alltagsbeobachtungen und Innenansichten, die aktuelle Lage der Nation und der Welt, Liebe und Revolution in der Stadt. Fetter Bass und trotzdem viel dahinter. Immer zwischen Utopie und dem – harten – Boden der Tatsachen.
Der Sound knüpft an die vergangenen Alben an. Am Setup der Band MOOP MAMA hat sich nichts geändert und trotzdem fühlt sich ICH völlig neu an. Kryptik Joe (Deichkind), Fatoni und die Antilopen Gang geben sich auf der Platte als Gäste die Ehre. Produziert wurde ICH, wie schon sein Vorgänger M.O.O.P.topia, von David Raddish und Lukas „Bustla“ Roth.
Wie immer bei MOOP MAMA fällt die Entscheidung schwer: Lauscht man den Geschichten oder lässt man sich mitreißen von der Macht dieser Musik? Aber wer will sich da schon entscheiden? So vielfältig wie ICH sich präsentiert, so vielfältig sind auch die Momente, in denen das Album der richtige Soundtrack ist. Auf dem Festival, im Park oder auf der Couch -– ICH hat ein gewaltiges Ego. Und das tut richtig gut.